Was will ich studieren?

„Wenn ich groß bin, will ich Lehrer werden.“ „Ich werde mal Anwalt!“ „Ich studiere Medizin und werde Arzt.“ Einer dieser Sätze könnte von dir sein? Herzlichen Glückwunsch! Aber die meisten von uns kennen kurz vor dem Abschluss statt Entschlossenheit eher ein anderes Gefühl: Völlige Unsicherheit. Was kann ich gut? Wie will ich mein Leben gestalten? Bin ich künstlerisch begabt oder kann ich analytisch denken? Will ich mit Kindern arbeiten oder lieber im Büro sitzen? Es gibt Hunderte Studiengänge – welcher ist der richtige für mich?!?

Der einzige Mensch, der die Frage wirklich beantworten kann, bist – Überraschung! – du selbst. Um zu einer passablen Erkenntnis zu kommen, solltest du dich am besten ausgiebig mit dir selbst beschäftigen. Nur so kannst du herausfinden, was wirklich zu dir passt und welche Berufe so gar nichts für dich wären. Welche Fragen du dir stellen solltest und wie du am besten an das Projekt Studienwahl herangehst, haben wir hier für dich aufgeschrieben:

 

1. Befreie dich vom Druck

Ja, wir kennen das: Schon ab der ersten Klasse ist es eine der Lieblingsfragen auf jeder Familienfeier. Spätestens nachdem man dir in die Wange gekniffen und gesagt hat, wie groß du geworden bist, geht es los: „Und, was willst du mal werden?“ Je jünger man ist, desto einfacher scheint die Frage zu beantworten zu sein. Hat man erstmal gemerkt, dass es mehr als zehn Berufe (allein in Deutschland über 8.000 Bachelorstudiengänge) und ganz schön viel zu beachten gibt, wird es schwierig. Aber lass dich nicht verrückt machen und dir vor allem nichts einreden. Nur weil ein Außenstehender sicher ist, dass Beruf X zu dir passt, heißt das noch lange nichts. Und nur weil dein Vater und dein Opa Anwalt waren, musst du nicht auch Anwalt werden – auch wenn die beiden das sicher toll fänden. Tief durchatmen und auf Durchzug schalten. Sieh es nicht als Zwang, dich entscheiden zu müssen, sondern als Chance, genau das zu tun was dir gefällt.

 

2. Erkenne deine Talente und Interessen

Ja, als Anwalt oder Informatiker kann man viel Geld verdienen. Das ist schön, aber für jemanden, der sich weder für Gesetzestexte noch für Computer interessiert, wird das Jura- oder Informatikstudium ein Albtraum sein. Du solltest ehrlich zu dir selbst sein und überlegen, was du gut kannst und was dir Spaß macht. Wenn du dich zu jeder Vorlesung quälen musst, weil dir völlig die Motivation fehlt, wirst du weder Spaß im Studium noch später im Berufsleben haben. Also überlege dir:

  • Was begeistert mich wirklich?
  • Womit kann ich mich stundenlang beschäftigen?
  • Welche Aufgabe würde ich gerne lösen?

Wenn es um Stärken und Fähigkeiten geht, solltest du nicht nur an die Schule denken. Der Lehrplan spiegelt nicht dich und deine Persönlichkeit wieder, für sehr viele Talente ist im Schulalltag leider kein Platz. Frage dich lieber:

  • In welchen Bereichen habe ich Erfolg?
  • Wofür ernte ich viel Lob / viele Komplimente?
  • Bei welchen Problemen fragen mich andere um Rat

 

3. Finde heraus, was dich motiviert

Je motivierter man ist, desto bessere Ergebnisse wird man erzielen. Es ist also wichtig, dass du weißt was dich antreibt. Denn auch, wenn viele Erwachsene über ihren Job schimpfen, unzufrieden sind und viel zu viel Zeit mit ihrer ungeliebten Tätigkeit verbringen: Es gibt sie, die Menschen die ihre Arbeit wirklich gerne machen und für die sich Arbeit eben nicht wie arbeiten anfühlt. Die meisten von ihnen sind überzeugt davon, dass sie mit ihrem Job die Welt ein Stückchen besser machen können oder tun eben genau das, was ihnen am meisten Spaß macht. Stell dir mal vor, alle Menschen würden gleich viel verdienen. Für welchen Job würdest du dich jetzt entscheiden? Für welchen Job würdest du morgens gerne aufstehen? Was will ich damit erreichen?

 

4. Finde heraus, was du wirklich willst

Wenn du die ersten drei Schritte befolgt hast, weißt du auf jeden Fall schon mal mehr über dich und wo du im Leben gerne hin möchtest. Jetzt wird es Zeit, dieses Wissen in Ziele umzuwandeln. Wer nicht weiß, welches Ziel er verfolgt, wird es auch nicht erreichen und muss nehmen, was übrig bleibt. An diesem Punkt kann es heikel werden, denn es kann sein, dass du deine bisherige Vorstellung über dein zukünftiges Leben über den Haufen werfen musst. Das kann schwierig sein, vor allem wenn deine ganze Familie bereits davon ausgeht, dass du diesen Weg einschlagen wirst. Hier braucht es Mut und Selbstvertrauen, aber wenn du weißt warum du die Richtung wechselst und welches Ziel du damit befolgst, hast du nichts zu befürchten.

 

5. Lass dir Zeit

Wenn du nach der Schule einfach noch nicht weißt, was du machen möchtest, solltest du dich nicht hetzen lassen. Das führt nur dazu, dass du irgendetwas anfängst und einer von vielen Studienabbrechern wirst. Sich gut zu überlegen, wo man hin will, spart also Geld, Nerven und im Endeffekt auch Zeit. Auch wenn das heißt, dass du nach der Schule erst einmal eine „Denkpause“ einlegen musst. Dieses Gap Year kannst du für Praktika nutzen, um dich auszuprobieren und Berufserfahrung zu sammeln. Oder du verbringst die Zeit im Ausland, um Sprachkenntnisse zu verbessern und Neues kennen zu lernen – durch neue Eindrücke und Menschen in deinem Leben kommst im besten Fall zu einem tollen Plan für deine Zukunft.

Wir hoffen natürlich, dass wir dir ein bisschen weiterhelfen konnten. Was wir dir aber unbedingt mit auf den Weg geben wollen: Auch über Umwege kommst du zum Ziel. Du lebst in einer Zeit, in der eine Entscheidung nicht das komplette Leben bestimmt. Wenn sich mit der Zeit deine Sicht auf bestimmte Dinge ändert und du merkst, dass du doch nicht gleich den richtigen Weg eingeschlagen hast, wirst du immer die Möglichkeit haben, doch noch etwas anderes zu tun. Wo ein Wille ist, ist IMMER auch ein Weg.

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