Psychische Probleme im Studium – die Hochschule hilft

Das Studium verlangt Studenten viel ab, nicht wenige haben mit psychischen Problemen zu kämpfen. Der Druck, immer gute Leistungen bringen zu müssen und nicht versagen zu dürfen. Angst vor Prüfungen und Referaten, die teilweise so groß ist, dass Prüfungen gar nicht erst angetreten oder Vorträge nicht gehalten werden können. Panikattacken, Depressionen, Essstörungen oder selbstverletzenden Verhalten – die Liste könnte ewig weitergeführt werden. Wenn der Uni-Alltag zu viel wird, kann und sollte man sich Hilfe holen. An Hochschulen wird Unterstützung meist schnell, kostenlos und unbürokratisch in Form von psychosozialer Beratung angeboten.

Der Arztreport 2018, den die Barmer Krankenkasse im Februar veröffentlicht hat, zeigt: Immer mehr junge Erwachsene leiden unter einer psychischen Erkrankung, unter den Studenten gibt es knapp 470.000 mit einer „psychischen Diagnose“. Jeder sechste Student hat also eine diagnostizierte psychische Erkrankung, die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein. Natürlich sind der hohe Leistungsdruck und das Stresslevel nicht bei jedem Studenten der Auslöser für die Erkrankung, doch die belastenden Faktoren der Ausbildung sind Gift für jede Vorerkrankung. Als Student sollte man die Möglichkeit nutzen und die psychologische Beratungsstelle in Anspruch nehmen.

Die psychosoziale Beratung hilft bei vielen Problemen. Wer sich hier beraten lässt, kommt nicht nur wegen Depressionen oder Panikattacken, sondern auch wegen Zukunftsängsten, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreibblockaden oder privaten Problemen. Egal, was Studenten belastet – die Psychologen helfen gerne weiter. In Deutschland bietet fast jede Hochschule die kostenlose Kurzzeitberatung an, die natürlich keine Therapie ersetzen kann. Die fünf bis zehn Gesprächstermine, die meistens angeboten werden, sorgen jedoch in der Regel für eine erste, wichtige Entlastung. Das ist auch wichtig, weil viele Psychologen mit eigener Praxis lange Wartelisten haben.

Die Beratung kann jeder Student in Anspruch nehmen. Du bist unsicher, ob du Hilfe in Anspruch nehmen solltest? Frage dich:

  • Verspüre ich einen hohen Leidensdruck?
  • Schaffe ich es kaum noch in die Vorlesungen?
  • Kann ich mich kaum noch konzentrieren?
  • Ist mein Problem so belastend, dass es sich negativ auf mein Studium oder mein Privatleben auswirkt?
  • Kreisen meine Gedanken nur noch um ein einziges Thema?
  • Ziehe ich mich zurück?
  • Habe ich Panikgefühle oder andere Symptome wie Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen wenn ich an die Uni denke?

Wenn du eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, mit einem Problem nicht alleine zurecht kommst oder du dich allgemein nicht gut fühlst, lohnt es sich, einen Termin in der Beratungsstelle zu vereinbaren. Es kann auch sein, dass du dich einfach für das falsche Fach entschieden hast und unzufrieden bist. Ein Beratungsgespräch ist in jedem Fall besser, als sich über mehrere Semester hinweg durch das Studium zu quälen. Gemeinsam mit den Psychologen kannst du herausfinden, wo die Ursachen für dein Problem liegen, wie du weiter vorgehen kannst und welche weitere Anlaufstelle für dich infrage kommt.

Selbstverständlich unterliegen die Berater der Schweigepflicht und arbeiten vor allem auch nicht mit den Krankenkassen zusammen. Du musst also keinerlei Angst vor negativen Konsequenzen deines Beratungsgesprächs fürchten. Sich Hilfe zu holen, ist definitiv kein Zeichen von Schwäche und gefährdet auch nicht – wie zum Beispiel von vielen Lehramtsstudierenden befürchtet – die Verbeamtung. Es zeugt von einem hohen Maß an Eigenverantwortung und Selbstwertgefühl, wenn man es schafft, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Also: Keine Angst vor der psychosozialen Beratung und davor, Probleme nicht alleine bewältigen zu können. Du bist nicht alleine.

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